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Die Sache mit dem Honig

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Ein Veganer isst keinen Honig. Bislang fand ich das etwas übertrieben und habe hier Fünfe gerade sein lassen. Ich süße nicht mit Honig, esse ihn auch nicht aufs Brot. Doch wenn in den Frühstücksflocken Honig drin war oder im Restaurant etwas damit zubereitet wurde, habe ich keinen Aufstand gemacht. Bislang …

Gestern Abend habe ich in Jan Bredacks Buch „Vegan für alle“ ein Kapitel gelesen, das auf die schöne Überschrift „Von Bienen und Menschen“ hört. „Albert Einstein soll einmal gesagt haben, wenn die Bienen ausstürben, habe der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“. So beginnt der Abschnitt. Warum das? Ein Drittel von dem, was wir essen, wird mit Honig hergestellt. Dieser muss daher in Massen produziert werden. Das geht nur mit einer Massenhaltung von Bienen.

Sie werden gezielt gesteuert und zur Bestäubung eingesetzt – gegen ihre natürlichen Verhaltensweisen. Sie werden in den USA in LKWs verfrachtet und quer durch das Land gefahren. Sie sind unter Stress, müssen im Jahr unterschiedliche Bäume bestäuben, obwohl sie blütentreu sind. Auf Plantagen mit mehr als 1 Mio. Bienenvölkern stecken sie sich gegenseitig mit Krankheiten und Parasiten an. Kein Wunder, dass sie in Scharen sterben. Ohne Medikamente überlebt inzwischen keine Biene mehr. Wissenschaftler sprechen längst von einem drohenden Völkerkollaps.

DSC_1288Da wir den Honig nehmen, der den Bienen eigentlich als Nahrung dient, füttern wir sie stattdessen mit einer billigen Industriezuckerlösung. Das schwächt ihr Immunsystem. Sie erkranken schneller. Produzieren wir weiter Honig in solch großen Mengen, könnte das Bienensterben dazu führen, dass 75 Prozent unserer Nutzpflanzen nicht mehr richtig bestäubt werden. Und das würde uns unsere Ernährungsgrundlage entziehen – ob es die Pflanzen sind, die wir essen, oder die, die Tiere essen, welche wir schlachten.

„Die Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation“, schreibt Bredack. Sie sind selbst nicht mehr überlebensfähig, da sie unnatürlich gehalten werden. Es gibt zwei gute Dokumentation, die ich euch ans Herz lege: More Than Honey und Bienen, Himmelsvolk in Gefahr.

Es steckt also viel mehr hinter der Forderung, den Honigkonsum einzuschränken, als „wir essen den Bienen den Honig weg“. Es geht um uns, um unser Überleben. Wir müssen umdenken – nicht erst, wenn es 5 NACH 12 ist. Also schaut auf die Verpackung und verzichtet auf Produkte, die mit Honig gesüßt wurden.

DSC_1232Übrigens: Ganz neu gibt es jetzt eine Agaven-Creme, die als Honigersatz verwendet werden kann. Ich habe sie heute zum ersten Mal auf Toast probiert, mit Alsan drunter, und sie schmeckt mir prima.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Melli,

    ein wichtiger Artikel. Ich liebe Honig und kaufen ihn seit ein paar Jahren nur noch direkt bei regionalen Imkern oder lass mir welchen mitbringen. Da hoffe ich doch, dass sie ihre Bienen nicht in Massen halten und lieb zu ihnen sind. Irgendwann hat mich einfach dieser Hinweis „Honigmischung aus nicht EG-Ländern“ gestört. Inzwischen habe ich mich auch ein bisschen schlau gemacht und festgestellt, was du oben beschreibst: Die Biene ist inzwischen ein Massennutzvieh, ähnlich wie Rind und Schwein. Deshalb verzichte ich auf „industriellen“ Honig von Langnese und Co. Algaven-Dicksaft habe ich zwar auch schon probiert, aber ich mag dann doch die unterschiedlichen Honigsorten lieber.

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    • Klar, Honig hat da einen ganz eigenen Geschmack, der wohl kaum zu imitieren ist. Eben kam tatsächlich ein Bericht bei WISO über den EU-Entschluss, dass Honig mit Gen-Pollen nicht gekennzeichnet werden muss. Deutschland hat dem zugestimmt. Es ist alles so verwirrend …

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  2. Sicher gibt es Intensivhaltung der Honigbiene (siehe Grossimker USA). Doch die meisten Imker halten nur wenige Bienenvölker und dies auch meist naturnah und „artgerecht“. Die Imker sind nicht Ausbeuter der Bienen, sondern garantieren, dass es überhaupt noch Honigbienen gibt. Ohne diese wäre die Biene der Varroamilbe schutzlos ausgeliefert. Die Varroamilbe ist der Hauptgrund für das weltweite Bienensterben, und nicht die von ihnen behauptete „unnatürliche Bienenhaltung“. Die Intensivlandwirtschaft setzt der Biene sicher massiv zu, doch lange nicht so wie diese für Bienen todbringende Milbe. Und sollten die Konsumenten auf Honig verzichten, so wäre das auch das Ende der Honigbiene, denn ohne Imker auch keine Honigbiene. In Europa gibt es keine wildlebende Honigbienen, diese könnten auch nicht überleben. In Deutschland behandeln die meisten Imker gegen die Varroa mit biologischen Mitteln, und wenn sie sicher gehen wollen, dann greifen sie auf biologischen Honig zurück. Übrigens bezieht sich das Einstein zugeschriebene Zitat nicht auf den Honigkonsum, sondern auf die Tatsache, dass 70 % unserer Früchte und Feldfrüchte ohne Honigbienen nicht bestäubt würden und unsere Lebensmittelproduktion zusammen brechen würde. Honig spielt letztlich in der Bienenhaltung nur eine untergeordnete Rolle (und die Behauptung in 30 % der Lebensmittel befände sich Honig stimmt so nicht), die eigentliche Aufgabe der Imker ist die Sicherstellung der Bestäubung und der Erhalt der Honigbiene.

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